3.1.3.3 Böhmit und Gibbsit

Die Durchmesser der Böhmitkristalle variieren in einem Bereich von ca. 2 µm bis 20 µm. Analysiert wurden nur die größeren Kristalle, da bei den kleineren Si und Ti in Form kleinster Kaolinit- und Anatasphasen die Messung störend beeinflußten. Außer Fe und Si wurden keine weiteren nennenswerten Verunreinigungen festgestellt. Im Vergleich zur idealen Zusammensetzung besteht insgesamt ein durchschnittliches Defizit von 2,3% (Tab. 10).

Die Gibbsitkristalle sind im Vergleich zu Böhmit wesentlich größer mit Durchmessern zwischen 100 µm und 200 µm. Die durchschnittliche Differenz der gemessenen Elemente von 1,74% im Vergleich zur idealen Zusammensetzung wird hauptsächlich durch Silizium verursacht (Tab. 11).

Böhmit Ideale Zusammen-setzung (1) [Masse-%] arithm. Mittel
[Masse-%]
Stand.- Abw. Minimum [Masse-%] Maximum
[Masse-%]
Al2O3 85,00 81,99 0,54 80,67 82,58
SiO2   0,28 0,18 0,12 0,71
Fe2O3   0,33 0,45 0,08 1,58
TiO2   0,03 0,03 0,01 0,08
Cr2O3   0,01 0,01 0,00 0,03
MnO   0,01 0,01 0,00 0,03
V2O3   0,06 0,06 0,01 0,20
           
Summe 85,00 82,70 0,28 82,04 83,04
H2O+ 15,00 17,30* 0,28 16,96* 17,96*
Summe 100,00 100,00   100,00 100,00

Tab. 10: Mikrosondenanalyse von Böhmit (Probe 2029, n = 10; * = Differenz zu 100%; (1) nach BARDOSSY & ALEVA (1990).

 

Gibbsit Ideale Zusammen-setzung (1) [Masse-%] arithm. Mittel
[Masse-%]
Stand.- Abw. Minimum [Masse-%] Maximum
[Masse-%]
Al2O3 65,40 63,36 1,17 61,70 65,55
SiO2   0,30 0,49 0,01 1,51
Fe2O3   0,04 0,01 0,02 0,05
MnO   0,01 0,02 0,00 0,03
TiO2   0,02 0,02 0,00 0,04
P2O5   0,02 0,02 0,00 0,04
Cr2O3   0,01 0,01 0,00 0,02
CuO   0,00 0,01 0,00 0,01
NiO   0,01 0,01 0,00 0,02
           
Summe 65,40 63,66 1,35 61,78 66,19
H2O+ 34,60 36,34* 1,35 33,81* 38,22*
Summe 100,00 100,00   100,00 100,00

 

Tab. 11: Mikrosondenanalyse von Gibbsit - Probe 1986 (n = 9); * Differenz zu 100%; (1) nach BARDOSSY & ALEVA (1990).

Die in der Abb. 34 (a-c) dargestellten Verteilungsbilder zeigen, daß Böhmit und Gibbsit rundliche Kristallaggregate mit mehr oder weniger reliktischem Gefüge bilden. Die Strukturen können als ursprünglich pisolithisch-konkretionär interpretiert werden. Im Bild 34c wird besonders deutlich, daß Böhmit von Kaolinit verdrängt wird, wobei die Umwandlung bevorzugt von außen erfolgt und Einbuchtungen im Kristall (Pfeil) hinterläßt. Dieser metasomatische Prozeß läßt sich durch eine Resilifizierung der Aluminiumhydroxid-phasen und eine damit verbundene Neubildung von Kaolinit erklären.

Abb. 34: Siliziumverteilung im Al-Hydroxid-führendem Kaolin (Mikrosondenanalyse). a) Probe 1986 - Gibbsit; b) Probe 2029 - Böhmit; c) Probe 2029 - Böhmit. Aus visuellen Gründen ist nur die Si-Verteilung dargestellt; (Si = Kaolinit, weiß, Al = Gibbsit und Böhmit, schwarz).