3.1.3.4 APS-Minerale (Crandallit-Woodhouseit-Gruppe)
Die Minerale der Crandallit-Woodhouseit-Gruppe bilden aufgrund
von iso- und heterovalenter Isomorphie und Diadochie untereinander Mischkristallphasen
und werden deshalb auch als APS-Minerale (Aluminium-Phosphat-Sulfat) bezeichnet
(SPÖTL 1990). Die meisten Minerale der Crandallit-Gruppe haben identische
Strukturformeln nach dem Schema XAl3H[(OH)6/(PO4)2], wobei Ca für Crandallit,
Ba für Gorceixit und Sr für Goyazit das Kation bilden. Auch SEE können
als Kationen auftreten, wie z.B. im Florencit CeAl3[(OH6)/PO4)2]. Eine
ähnliche Zusammensetzung nach der Formel XY3[(OH6)/SO4,ZO4)] zeigen fast
sämtliche Minerale der Woodhouseit-Gruppe.
Durch Röntgenanalysen läßt sich eine sichere Mineralbestimmung
nicht erreichen, da die jeweiligen Minerale im Röntgendiagramm nahezu
identische Reflexe [Hauptpeak um 30° (2 Theta)] aufweisen und meist nur
in niedrigen Konzentrationen vorhanden sind. Anhand der Spurenelemente
ist jedoch eine sichere Zuordnung möglich.
Mit Hilfe von Korrelationsrechnungen konnte für die Gesamtanzahl
der Proben eine signifikante Beziehung zwischen Phosphor, Barium und Strontium
belegt werden (WIPKI 1994). Zur Verdeutlichung wurden die Proben nach
erhöhten Phosphor- (> 0,25%), Barium- und Strontiumgehalten (> 0,05%)
selektiert (Abb. 35). Die korrelativen Verhältnisse zwischen Ba, Sr und
P2O5 zeigen, daß es sich um Mischkristallphasen von Gorceixit und Goyazit
handelt, wobei eine geringe Substitution durch Ca anzunehmen ist (Ca :
P2O5 ; r = 0,3477). Daß die SEE, zumindest partiell, einen entscheidenden
Anteil am Aufbau der APS-Minerale besitzen, wird auch in der Abb. 36 deutlich,
sofern eine Selektion der Proben nach höheren SEE-Gehalten vorgenommen
wird.
Abb. 35: Korrelation zwischen Sr, Ba, Ba
+ Sr und P2O5 für die Tawiga Laterite (n
= 29). |
|
Abb. 36: Korrelation zwischen Ce, La und
P2O5 (Selektion: Ce+La > 300 ppm). |
Nach der Methode von NORRISH (1968) wurden APS-reiche Proben
mit Flußsäure behandelt, um eine Lösung des Kaolinits und eine damit verbundene
Anreicherung der APS-Phasen zu erreichen. Die Ergebnisse der Röntgendiffraktometrie
und Röntgenfluoreszenz für die Konzentrate belegen wiederum eindeutig,
daß Mischungen aus Goyazit, Gorceixit und Crandallit vorliegen (BRANDT
1993). Durch die Kombination von chemischer Lösung und zusätzlicher Anreicherung
mittels Hochgradientmagnetscheidung, wie sie von ZWAHR & RUCHHOLZ (1989),
STÖRR et al. (1991) und ADOLPHI et al. (1991) durchgeführt wurden, lassen
sich noch reinere Konzentrate herstellen. Da die guten korrelativen Beziehungen
für die Tawiga-Proben für eine eindeutige Mineralbestimmung ausreichen,
konnte hier auf eine zusätzliche Magnetscheidung verzichtet werden.
Anhand von Korrelationsrechnungen und der chemisch angereicherten
Fraktionen kann gezeigt werden, daß es sich bei der überwiegenden Anzahl
der APS-haltigen Proben um eine Mischung aus Gorceixit und Goyazit handelt.
Die Mikrosondenanalyse an der Probe 2029 hingegen belegt einerseits, daß
innerhalb dieser Probe einzelne APS-Minerale in ihrer Kationenzusammensetzung
stark variieren. Andererseits wird deutlich, daß die SEE, insbesondere
Ce und La, entscheidenden Anteil am Aufbau dieser Mineralphasen haben.
Beide Elemente verhalten sich zu Ba, Sr und Ca korrelativ (Tab. 12, Abb.
37a). Ferner wurden auch geringe Gehalte (< 1%) an Nd, Gd (?) sowie Pb
analysiert, die jedoch in die quantitativen Messungen nicht einbezogen
sind. Aufgrund der SEE-Dominanz können die APS-Minerale dieser Probe als
Florencit CeAl3[(OH)6/(PO4)2] klassifiziert werden (Abb. 38b). Bei der
Analyse Nr. 9 handelt es sich um einen Apatit-Kristall, der jedoch keine
nennenswerten Gehalte an SEE aufweist.
|
Ce2O3 |
La2O3 |
BaO |
SrO |
Ce2O3+
La2O3 |
BaO+SrO+CaO |
1 |
8,64
|
5,15
|
1,40
|
3,13
|
13,79
|
6,38
|
2 |
7,71
|
3,48
|
1,87
|
3,12
|
11,19
|
6,52
|
3 |
6,69
|
3,11
|
2,06
|
3,72
|
9,81
|
7,66
|
4 |
6,19
|
2,96
|
3,39
|
3,99
|
9,15
|
9,18
|
5 |
6,30
|
2,48
|
3,56
|
3,93
|
8,78
|
9,86
|
6 |
5,36
|
1,88
|
4,16
|
3,18
|
7,23
|
9,34
|
7 |
4,28
|
1,81
|
4,94
|
4,02
|
6,09
|
10,92
|
8 |
0,58
|
0,00
|
17,06
|
6,01
|
0,58
|
24,76
|
9 |
0,02
|
0,13
|
0,03
|
0,11
|
0,15
|
55,13
|
|
Al2O3 |
Fe2O3 |
TiO2 |
SiO2 |
P2O5 |
SO3 |
SUMME |
H2O |
1 |
31,28 |
1,90 |
0,00 |
1,19 |
24,63 |
0,99 |
80,16 |
19,84 |
2 |
30,83 |
3,56 |
0,38 |
4,13 |
24,80 |
0,67 |
82,07 |
17,93 |
3 |
30,84 |
2,37 |
0,89 |
5,19 |
24,01 |
0,95 |
81,73 |
18,27 |
4 |
31,57 |
3,52 |
1,09 |
3,52 |
23,74 |
1,14 |
82,92 |
17,08 |
5 |
30,29 |
2,97 |
0,54 |
1,40 |
26,10 |
1,36 |
81,29 |
18,71 |
6 |
32,48 |
2,83 |
0,91 |
6,33 |
23,53 |
0,87 |
83,52 |
16,48 |
7 |
32,02 |
2,01 |
1,23 |
4,25 |
23,69 |
1,37 |
81,58 |
18,42 |
8 |
33,64 |
0,18 |
0,62 |
2,58 |
26,12 |
2,78 |
91,26 |
8,74 |
9 |
0,02 |
0,01 |
0,03 |
0,10 |
40,63 |
0,06 |
96,11 |
3,89 |
Tab. 12: Mikrosondenanalyse SEE-reicher Alumophosphate
(n = 8);
Analyse Nr. 9 = Apatit (Probe 2029); Angaben in Masse-%. |
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a)
|
b)
|
Abb. 37: a) Beziehung zwischen SEE (Ce,
La) und Ba, Sr, Ca; b) Klassifikation der APS-Minerale im Dreistoffdiagramm
(n=8); Angaben in Masse-%. |
Die Anreicherung und Fixierung Seltener Erden in Mineralen
der Crandallit-Gruppe wird für lateritische Phosphorite und phosphatische
Laterite, Laterite und Kaoline von mehreren Autoren beschrieben. So sind
z.B. in der lateritischen Verwitterungszone (Aluminium-Phosphat-Fazies)
von Christmas Island (Indischer Ozean) die SEE, hauptsächlich Ce, La und
Nd, im Crandallit fixiert; Ba, Sr, Sc, Co und Zn zeigen eine 5 bis 10-fache
Anreicherung. Die Karst-Phosphorite der Al-Phosphatlagerstätte Belka (Sibirien)
zeigen höhere Konzentrationen an La, Ce und Nd, hauptsächlich in den Mineralen
Wavellit, Crandallit und Millisit (DAR`IN & ZANIN 1985). In Lateriten
des Maicuru Komplexes (Nordbrasilien), die sich über einem Alkali-Karbonatit
entwickelt haben, lassen sich SEE in Assoziation mit P, Sr, Ba, Y und
Sc in Form von Crandallit und Florencit nachweisen (ANGLICA & DA COSTA
1993). Die Eigenschaft der Crandallit-Minerale als "Fänger" für SEE (SOUBIES
et al. 1990, ANGELICA & DA COSTA 1993, SCHWAB et al. 1989) reflektiert
die geochemische Zusammensetzung der Ausgangsgesteine und kann als Prospektionshilfe
eingesetzt werden. Primäre Kaoline aus SW-Polen enthalten nach SZPILA
& DZIERZANOWSKI (1980) und SZPILA (1991) Goyazit, Plumbogummit und Florencit.
Die in situ kaolinisierten Buntsandsteinarkosen von Hirschau-Schaittenbach
zeichnen sich durch Gehalte an Goyazit, Gorceixit, Plumbogummit und Florencit
aus (STÖRR et al. 1991, ADOLPHI et al. 1991). Nach BARDOSSY & ALEVA (1990)
lassen sich hingegen Crandallit-Minerale in lateritischen Bauxiten nur
selten beobachten.
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