I t a l i e n

Golf von Neapel

 

Campania felix, die glückliche Landschaft

Seit Beginn des 17. Jahrhunderts ist die Küste Kampaniens Anziehungspunkt von Reisenden und Wissenschaftlern gleichermaßen. Mit der so genannten "Grand Tour" kamen anfangs der Adel und später das gehobene Bürgertum nach Italien. "Vedi Napoli e poi muori " frei übersetzt „Neapel sehen und sterben“ ist ein bekanntes Sprichwort, das die überschwängliche Begeisterung für diese Landschaft zum Ausdruck bringen soll.


Der Golf von Neapel mit dem Vesuv (Foto: M. Wipki)


Der Golf von Neapel

Der zum Tyrrhenischen Meer gehörende heutige Golf von Neapel war noch während des Tertiärs Festland. Durch die Auffaltung und Heraushebung des Apennins, vor allem ab dem unteren Pliozän, kam es zu einer Zerblockung der Tyrrhenischen Masse und einer Absenkung im Hinterland. Dies wiederum führte zur Anatexis, dessen Folge ein intensiver Vulkanismus war, der von der Toskana bis hin zu den Liparischen Inseln reichte. Der Golf von Neapel ist der Rest eines ehemals viel größeren Beckens, dem Campanischen Becken, dessen Küste vom neapolitanischen Hinterland entlang des apenninischen Gebirges verlief. Durch den Einbruch dieses Beckens zerbrach der Untergrund in annähernd rechtwinkelige Schollen, die nun konzentrisch zum Beckenmittelpunkt hin gekippt liegen. Die sorrentinische Halbinsel und die Insel Capri sind quasi stehen gebliebene Horste zwischen den beiden Golfen.

 

Die Insel Capri mit den berühmten Faraglioni-Felsen (Foto: M. Wipki)

 

Die Vulkane Italiens, von den Phlegräischen Felder bis zum Stromboli, folgen einer gebogenen Linie, die nahezu parallel zur Eurasischen Plattegrenze verläuft. Aus Osten schiebt sich die Adriatische Platte, aus Süden die Afrikanische Platte unter die Eurasische Platte. Subduziertes Material wird hierbei aufgeschmolzen, steigt auf und gelangt durch Vulkanismus an die Oberfläche.

 

Die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei)

Die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei), von den Griechen als die "Brennenden Felder" - phlegraios = brennend - beschrieben, liegen 25 km westlich von Neapel nahe der Stadt Pozzuoli. Das Gebiet umfasst eine Fläche von ca. 150 km2.

Dieser vulkanische Komplex, mit der Typlokalität Solfatara, weist mehr als 50 Eruptions-Zentren auf. Die älteren Vulkankegel und Krater sind jedoch erodiert oder liegen unterhalb des Meeresspiegels. Der 1538 entstandene Monte Nuovo markiert den letzten Ausbruch in diesem Gebiet. Der Krater von Solfatara, mit einem Durchmesser von 770 m, besteht seit etwa 4000 Jahren.

Aus zwei Dutzend aktiven Exhalationsspalten treten neben Wasserdampf, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff weitere Gase aus, die Antimon- und Quecksilberverbindungen enthalten. Die Gase haben das Gestein stark alteriert. Weiße Ablagerungen, der so genannte "Bianchetto" überzieht große Flächen des flachen Kraterbodens. Reine Schwefelkristalle lassen sich allenthalben mit bloßen Auge erkennen. Solfatara leitet sich von "lo zolfo = Schwefel“ ab und ist namensgebend für diesen Ort. Regenwasser, das tief in die Erde eindringt und dort erhitzt wird, steigt als heißer Wasserdampf auf, kondensiert an der Oberfläche, vermischt sich mit dem bröseligem, verwitterten Gestein und bildet einen bis zu 120 °C heißen Schlammpfuhl.

Auch Johann Wolfgang von Goethe besuchte auf seiner ersten Italienreise im Jahr 1787 diesen Ort. Anziehungspunkt für jeden Besucher ist die "Bocca Grande", die größte Spalte, aus der bis zu 160 °C heiße Gase zischend entweichen. Sublimationsprodukte wie Realgar (As4S4), Auripigment (As2S3), Dimorphite (As4S3), Cinnabarit (HgS) und Schwefel (S) wurden analysiert und verleihen der Bocca Grande eine leuchtend orangene Farbe.


Bocca Grande im Solfatara-Krater (Foto: M. Wipki)

 


Die Solfatara
von Pozzuoli - Tuschezeichnung von Johann Wolfgang von Goethe
- wahrscheinlich am 1. März 1787 entstanden. Fotografieren war damals nicht möglich. Erst 39 Jahre später wurde die erste Fotografie von dem Franzosen Joseph Nicéphore Nièpce angefertigt.
(Quelle: Wikipedia)

 


Mt. Somma-Vesuv

"Wenigstens einmal in seinem Leben soll ein Geologe den Vesuv besucht haben" schrieb in den sechziger Jahren der österreichische Geologe Walter Medwenitsch (1927-1992). Der Vesuv-Somma Komplex (1281m / 1132 m) ist ein Musterbeispiel eines Stratovulkans und berüchtigt für seine explosiven Ausbrüche (plinianische Eruptionen), zuletzt geschehen in Jahre 1944. Bis auf eine leichte Fumarolentätigkeit scheint der Vulkan derzeit zu schlafen, doch diese Ruhe ist trügerisch. Die Daten der Vulkanologen belegen, dass die Magmakammer des Vesuvs sich in den vergangenen Jahrhunderten um mehrere Kilometer nach oben verlagert hat. Das es in den vergangenen 66 Jahren keinen Ausbruch gab kann bedeuten, dass der "Nachschub" in die Magmakammer gering war oder aber, dass der Schlot verschlossen ist, was die Gefahr einer bevorstehenden explosiven Eruption erhöht.

L`Eruzione del Vesuvio, 26 Aprile, 1872 ore 3.PM (Quelle: Wikipedia)

 


Pompeji und Heculaneum

Der berühmteste Ausbruch der Jung-Somma ist der aus dem Jahr 79 n. Chr., bei dem enorme Mengen Asche und Bimsstein, begleitet von pyroklastischen Strömen gefördert wurden und zur Verschüttung der Städte Pompeji, Herculaneum (heute Ercolano), und Stabiae führten. In zwei Briefen von Plinius, dem Jüngeren, an Tacitus schildert er u.a. wie sein Onkel Plinius der Ältere - seinerzeit ein sehr berühmter Naturwissenschaftler - in seinen Bemühungen den Opfern des Vulkanausbruches zu helfen, selbst ums Leben kam. Am 24. August 79 kam es zur Explosion verbunden mit einer kilometerhohen Eruptionssäule aus Asche und Lapilli. Aufgrund der südöstlichen Hauptwindrichtung wurden vor allem Pompeji und umliegende Orte getroffen. Pompeji wurde unter einer bis zu sechs Meter dicken Asche- und Bimssteinschicht begraben.

Ausgrabungsstätte Pompeji mit dem Vesuv im Hintergrund (Foto: M. Wipki)


Herculaneum, das südwestlich am Fuße des Vulkans liegt und zur damaligen Zeit direkt am Meer lag, blieb zunächst verschont. Als jedoch in der Nacht die Eruptionssäule in sich zusammenbrach, fiel das Material auf die Flanke des Vesuvs zurück. Dort bildete sich ein pyroklastischer Strom, der mit hoher Geschwindigkeit und Temperaturen von über 400 °C auf Herculaneum zuraste.
Mächtige Tuffablagerungen
in Herculaneum (Ercolano)

(Foto: M. Wipki)

Wer nicht bereits vorher geflüchtet war, starb augenblicklich an einem thermischen Schock. Es folgten drei weitere Ströme, die große Mengen an Material mit sich führten und Herculaneum schließlich unter einer bis zu 20 m mächtigen Schicht begruben, das sich nach der Abkühlung zu Tuffstein verfestigte. Diese als Lahare bezeichneten heißen Schlammströme wurden durch starke Regenfälle während der Eruption an den Flanken des Vesuvs ausgelöst.

Herculaneum wurde von den Schlammströmen völlig begraben. Die Funde, die man bei den Ausgrabungen macht(e), geben einzigartiges Zeugnis über die Kultur der Menschen in der antiken Welt.

 
Diese Seite ist Teil des Geologischen Kalenders 2010

Literatur

Walter Medwenitsch, W. (1966) Zur Geologie der süditalienischen Vulkane, Exkursionsführer, Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 59. Band, 1966, Heft 1

Goethe, J.W. v. (1829): Italienische Reise.

Pichler, H. (1970) Italienische Vulkan-Gebiete I -Somma-Vesuv, Latium, Toscana, Berlin - Stuttgart (Borntraeger).

Pichler, H. (1970) Italienische Vulkan-Gebiete II - Phlegräische Felder, Ischia, Ponza-Inseln, Roccamonfina, Berlin - Stuttgart (Borntraeger).